Quelle: Jahresrückblick 1992/ Konzert am 28. März 1992
Großes und stolzes Jubelkonzert des Chorgesangs

JubiläumschorViel Lob für Dirigenten und Chor
Ein Konzert, das alle Erwartungen erfüllte, präsentierte am Samstag in der Kurpfalzhalle der Chor des Männergesangvereins Sängerbund Liederkranz anläßlich seines 100-jährigen Jubiläums. Es war ein berauschender Auftakt zu den Feierlichkeiten, die am 27. und 28. Juni fortgesetzt werden. Hohes Lob muß gezollt werden, denn die Partien stellten an die Sänger Anforderungen bis zur stimmlichen Leistungsgrenze. Doch der Chor unter der Leitung von Fritz Kappenstein bewältigte seine Aufgabe mit Bravour und ließ bis zum Ende des Konzerts keinerlei Ermüdung erkennen.
Wilhelm Schel, den Vorsitzenden des Jubiläumsvereins, erfüllte es mit großer Freude und Stolz, vor einer prall gefüllten Kurpfalzhalle dieses Jubiläumskonzert zu geben. Der große Besuch zeigte auch die Verbundenheit der Oftersheimer mit ihrem  Sängerbund Liederkranz.
Besondere Grußworte Schels galten Bürgermeister Siegwald Kehder, Schwetzingens Erstem Beigeordneten Bernd Kappenstein, zahlreichen Kreis- und Gemeinderäten, Pfarrer Martin Joos, Vertretern vieler Oftersheimer Vereine, an der Spitze Vereinskartell- Vorsitzenden Fritz Vobis, vom Sängerkreis Kurpfalz Schwetzingen Ehrenvorsitzenden Dr. Roth und Vorsitzenden Albert Rauchholz nebst weiteren Vorstandsmitgliedern. Weiter galt sein Gruß einer großen Zahl von Vertretern aus Vereinen des Sängerkreises und besonders auch den Freunden aus Serres, die schon viele gemeinsame Konzerte mit dem Jubiläumsverein durchgeführt hatten. Zu den Gästen zählten weiter die Rektoren der Schulen, die Direktoren der Bezirkssparkasse und der Volksbank sowie, nicht zuletzt, die Ehrenmitglieder mit Ehrenbürger Karl Frei an der Spitze.

Lobet den HerrnZuhörer
100 Jahre Sängerbund Liederkranz - das enthalte 100 Jahre menschliche Schicksale, Lebensläufe, das bedeute auch Zeiten der Freude und Hochstimmung, aber auch schwierige Zeiten, in denen Enttäuschungen nicht ausblieben. "Daß wir heute voll Stolz dieses Jubiläum feiern können, verdanken wir all jenen Männern unseres Vereins, die sich mit großem Engagement der Sache des Chorgesangs angenommen haben beziehungsweise annehmen", sprach Walter Pfister, der einfühlsam durch das Programm führte, zum Auftakt. In diesem Sinn stand es dem Jubelverein gut zu Gesicht, in den Lobpreis Gottes den Dank an jene Männer einzuschließen und ihnen den ersten Teil zu widmen.
Nach dem machtvollen "Sanctus" von Friedrich Silcher, der breiten Öffentlichkeit mehr als Komponist romantischer Volkslieder bekannt, hörte man zwei altrussische  Kirchengesänge. Mit ihren dynamischen Gegensätzen von Forte und Piano bis zum verhallenden "Amen" ergreifen sie immer wieder die Menschen. Dazwischen hörte man in einem Chorsatz von Wolfgang Lüderitz Teile des Psalms 134 aus dem niederländischen Kirchengesangbuch von 1840 "Der Herr segne dich aus Zion".

In der Hand die Fiedel
Volkslieder sind Urbesitz einer Nation und in ihnen wird all das besungen, was die Menschen über den Alltag hinaushebt, die Liebe, der Abschied, die Schönheit der Heimat, Feste und Feiern oder die Jagd. Auch bei zeitgenössischen Tonkünstlern wie Robert Pappert, Arnold Kempkens oder Wilhelm Heinrichs steht das Volkslied im Mittelpunkt ihres Schaffens.  Im ersten dieser Lieder besang der Chor  die "Tage der Liebe" in einer getragenen, zärtlich gehaltenen Melodie. Ein großer  Sprung führte dann nach Spanien. Muntanyes de Canigo - "Berge der Heimat". Abwechselnd mit dem Chor besang der einsame Wanderer die schöne Welt der katalonischen Berge. Als Solist hörte man Manfred  Nickler, und für den stimmlich angeschlagenen Hans Barthelmeß sprang Jochen Birk  ein. Da in den Texten der Volkslieder oft der  Spielmann oder der Jäger auftauchen, waren ihnen die Chore "Der Spielmann" und  "Lauf, Jäger, lauf" gewidmet.
Dalmatien, Kroatien, beute als Kriegsschauplatz in den Schlagzeilen, und doch verbinden sich damit Urlaubserinnerungen an romantische Hafenstädtchen, an Fischerdörfer am blauen Meer, an die Menschen dort, auch ihre Lieder. So waren die nächsten Liedvorträge sinnfälliger Ausdruck des südlich heiteren, bisweilen auch wehmütigen Lebensgefühls. Sehnsuchtsvoll erklang zunächst die Melodie vom blauen Meer "Singe, 0 singe, du armer Fischer". Das Tenorsolo trug Wolfgang Zipf vor. Gefühlvolle Melodiebögen, aber auch Temperament und tanzende Lebenslust kennzeichneten die nächsten Lieder, die zum Teil in Originalsprache gesungen wurden. "Moja Jube" ist so ein wehmütiges Liebeslied. Mit "Tri Sulara" und dem kroatischen Volkslied "0j - Ja" wurde der erste Teil beschlossen.

Wundersame Helden
Ganz hervorragend gestaltet, so richtig nach den Wünschen von Dirigent Fritz Kappenstein, war der zweite Teil des Jubiläumskonzerts. Gesang und Rezitation stand da an, ein wunderbares Zusammenspiel des Chors mit Walter Pfister, der dabei mit Werken von Eugen Roth aufwartete. " Ein Mensch wollt' sich ein Weib erringen, doch leider konnt's ihm nicht gelingen. Er ließ sich drum vor weit'ren Taten, von Frau'n und Männern wohl beraten", die Rezitation. Weiter gelungene Rezitationen begleiteten die Chöre "0 Liebe", die Referenz an den Dirigenten mit "Auf de schwäbische Eisebahne", wo bei aller Anstrengung der kurpfälzische Dialekt noch reinhuschte, und "Blauer Mond" schlossen.
Stolze Spanier Als stolze Spanier erschienen die Sänger  im fünften und letzten Block des Abends,  "Der Ritter von der traurigen Gestalt". Der  Männerchor und die Rhytmusgruppe mit  Arnulf Lück (Gitarre), Kurt Holzkämper  (Baßgitarre), Bent Pollack (Schlagzeug)  und Birgit Amail (Flügel) boten die phantastischen Abenteuer des Don Quichote. Jean  Christophe Mack berichtete von seinen Taten. "In der Schenke", "Auf den Straßen des  Ruhms" "Was Helden träumen" und  "Ständchen an Dulcinea" ließen die Kurpfalzhalle zur "Arena zu Saragossa" werden. Die Darbietung war hervorragend inszeniert, die Lieder wurden beseelt und eindrucksvoll wiedergegeben. 
 

DirigentEin großes Konzert
Alles in allen war es ein großes Jubiläumskonzert. Der Hauptteil des Verdienstes daran kommt wohl dem souverän leitenden Dirigenten Fritz Kappenstein zu, der seinen Chor sorgfältig einstudiert hatte und die verzweigten Fäden jederzeit in sicheren Händen hielt. Hohes Lob gebührt auch dem Chor, dem neben stimmlicher Präsenz auch ein hohes Maß an musikalischem Einfühlungsvermögen zu bescheinigen ist - kurzum: ein Glücksgriff, dieses Zusammenspiel zwischen dem Dirigenten und Chor.  Vorsitzender Schel brachte zum Schluß seinen Dank an alle zum Ausdruck. Nicht vergessen wurden dabei Klaus Mischkewitz für ein mehr als gelungenes Bühnenbild und Karl Hartmann, der für die Beleuchtung zuständig war. Und dann kam die Zugabe: "In der Arena zu Saragossa."